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Erfahrungsbericht: Vorstellungsgespräch als Senior Engineer bei einem japanischen Unternehmen

10.08.2026
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Erfahrungsbericht: Vorstellungsgespräch als Senior Engineer bei einem japanischen Unternehmen
Inhaltsverzeichnis
Es ist schon 5 Jahre her, seit ich mein letztes Vorstellungsgespräch hatte, da ich meinen aktuellen Job sehr genieße. Im Januar dieses Jahres habe ich mich jedoch wieder an Interviews gewagt und zwei Angebote erhalten: eines als Senior Engineer und eines als Tech Lead. Ab Juli werde ich eine neue Herausforderung annehmen und mich von meinem langjährigen aktuellen Job verabschieden.

Letztendlich habe ich mich für das Angebot als Senior Engineer entschieden. Obwohl ich das Angebot als Tech Lead abgelehnt habe, das immerhin ca. 6.300 € (100 Man) höher dotiert war als meine jetzige Wahl. Aber tief in meinem Inneren bin ich immer noch jemand, der seine Freizeit liebt; ich möchte Zeit zum Zocken, für Filme und für gemütliche Abende mit Freunden haben. Deshalb fiel meine Wahl auf den Senior Engineer, um nicht zu sehr im Arbeitsalltag versunken zu sein.

Dieser Beitrag ist zwar etwas länger, aber ich möchte meine Erfahrungen teilen – vom ersten Gedanken an einen Jobwechsel bis hin zur Annahme des Angebots, der Ablehnung der anderen Stelle und der Verhandlung, den Job erst ein halbes Jahr später anzutreten. Ich hoffe, dass dies für alle Juniors hilfreich ist, die planen, sich auf eine Senior-Engineer-Position zu bewerben.

Erfahrungsbericht: Vorstellungsgespräch als Senior Engineer bei einem japanischen Unternehmen

Der Zufall wollte es so

Ich hatte eigentlich nicht vor, dieses Jahr den Job zu wechseln, da meine aktuelle Arbeit sehr entspannt und flexibel ist. Eines Tages loggte ich mich jedoch nach Jahren wieder bei LinkedIn ein, um mein Profil zu aktualisieren, fügte meine neu erworbenen Zertifikate hinzu, gab aber nicht an, dass ich aktiv auf Jobsuche sei. Ab dem nächsten Tag begannen HR-Recruiter (hauptsächlich englischsprachige, da mein Profil auf Englisch ist), mir Stellenbeschreibungen (JDs) zuzuschicken.

Da die Aktualisierung meines Profils nicht direkt der Jobsuche diente, war ich anfangs nicht besonders an den JDs interessiert. Dann dachte ich mir jedoch, dass es schon 5 Jahre her war, seit ich mich bei einer Firma vorgestellt hatte, und ich wollte wissen, ob meine Fähigkeiten mittlerweile für ein Senior-Level ausreichen. Also wagte ich den Versuch – es war mein erstes Mal, dass ich mich für eine Senior-Position bewarb.

Die Wahl der Recruiter

Obwohl ich in Japan lebe, arbeite ich sehr gerne in einem globalen Umfeld mit vielen internationalen Kollegen, wo ich Englisch sprechen kann (auch wenn ich schon vieles vergessen habe). Daher sah ich mir die Profile der Recruiter an, die mich kontaktiert hatten, prüfte ihre JDs und wählte zwei Haupt-Recruiter aus: einen Amerikaner und einen Japaner, die beide für global agierende Konzerne rekrutierten.

Auswahl der Unternehmen und Positionen

Um keine Zeit zu verschwenden, war es mir wichtig, von Anfang an die gegenseitigen Erwartungen zu klären, insbesondere was das Mindestgehalt und den möglichen Eintrittstermin betrifft. Ich tauschte mich mit den Recruitern über meine Wünsche aus, wie zum Beispiel die Priorität auf Homeoffice, flexible Arbeitszeiten, die Möglichkeit, kurzzeitig von Vietnam aus online zu arbeiten, ein internationales Team und vor allem den Tech Stack sowie die gewünschten Technologien bei der Arbeit. 

Die Recruiter filterten daraufhin passende Angebote heraus und schickten mir eine beachtliche Auswahl. Wenn ich die JDs las, achtete ich zuerst auf das Arbeitsumfeld, die Benefits und den Tech Stack, gefolgt von Informationen über das Unternehmen und das jeweilige Projekt. Am Ende wählte ich etwa 10 Unternehmen aus, bei denen ich mich bewarb. Ich habe mich bewusst für mehrere entschieden, falls ich in den ersten Runden nach und nach ausgesiebt werde 😂

Der Interview-Prozess

Die Standardfragen wie der Grund für den Jobwechsel, warum ich mich für genau diese Firma entschieden habe oder meine Stärken und Schwächen lasse ich hier weg, da sie allgemein bekannt sind. In diesem Beitrag konzentriere ich mich auf die technischen Aspekte der Interviews.
Dieses Mal fanden alle Gespräche online statt. Jedes Unternehmen hat zwar seinen eigenen Prozess, aber im Großen und Ganzen sah er wie folgt aus:

Sichtung der Unterlagen

Nur qualifizierte Bewerber werden zum Gespräch eingeladen. Bei einigen Firmen wurde ich abgelehnt, weil mein Lebenslauf (履歴書) und meine Tätigkeitsbeschreibung (職務経経歴書) für die gewünschte Position und das Gehalt noch nicht genug Erfahrung aufwiesen.

Casual Interview (Kennenlerngespräch)

Dies kann stattfinden, muss aber nicht. Es ist ein lockerer Austausch zwischen Bewerber und Mitarbeitern, um Informationen auszutauschen, bevor der eigentliche Auswahlprozess beginnt.
Dieses Gespräch ist kein offizielles Interview, daher müssen Auftreten und Kleidung nicht unbedingt so förmlich sein. Wenn nach diesem Gespräch eine Seite merkt, dass es nicht passt, kann der Prozess hier beendet werden.

Erste Interviewrunde

Meistens mit dem Team Leader und einem Engineer. Nach einer kurzen gegenseitigen Vorstellung präsentiert das Unternehmen das Projekt. Danach präsentiert der Bewerber seine Erfahrungen und Fähigkeiten in Bezug auf bisherige Projekte sowie seine zukünftigen Karriereziele.
Anschließend folgen oft recht anspruchsvolle technische Fragen.

Zweite Interviewrunde

Meistens mit dem Engineering Manager oder einem Senior Engineer.
In dieser Runde wird nicht mehr detailliert auf die Unternehmensgröße oder das Projekt eingegangen, da dies bereits in Runde 1 geschah. Stattdessen liegt der Fokus verstärkt auf der Technik, Problemlösungsstrategien im Projekt sowie Erfahrungen im Projekt- und Teammanagement.
Die technischen Fragen in dieser Runde sind meist sehr knifflig.

Coding Challenge / Testaufgaben

Nach meiner Erfahrung gab es folgende Formate:
- Erstellung eines Projekts nach Vorgabe, wobei Sprache und Framework oft frei aus einer Liste gewählt werden konnten (z.B. eine API für eine Film-Website oder einen Online-Shop).
- Ein klassischer Coding-Test innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens.
- IQ-Tests, Persönlichkeitstests oder japanische Sprachtests (Leseverständnis/読解).

Abschlussgespräch (Final Interview)

Wer die Testphase übersteht, kommt in die letzte Runde, meist mit dem CEO, Direktor oder anderen hochrangigen Führungskräften.
Hier geht es weniger um Technik, sondern mehr um Persönlichkeit, Erfahrung, Problemlösungskompetenz und die zukünftige berufliche Ausrichtung.

Technische Inhalte für Senior-Interviews

Die technischen Fragen waren sehr zahlreich; pro Runde wurden mir etwa 20 Fragen gestellt. Die Inhalte drehten sich unter anderem um folgende Themen (und viele mehr, an die ich mich nicht mehr im Detail erinnere):

- Agile, SCRUM
- Versionsverwaltung mit Git (z.B. Rebase, Cherry-pick)
- Code Reviews
- Datenbanken (z.B. Tabellendesign bei RDBMS)
- Architekturmuster: MVC, MVP und MVVM
- Design Patterns (Entwurfsmuster)
- Testing (z.B. TDD, BDD)
- Caching
- Refactoring 
- UI/UX
- CI/CD
- SEO
- Sessions, Cookies
- Background Jobs
- Batch Jobs
- Serverless 
- Suchmaschinen (z.B. Elasticsearch)
- Cloud-Konfiguration (z.B. Design von EC2, ECS, S3, ALB, CDN in AWS)
- Kostenoptimierung in der Cloud
- Performance-Optimierung, SQL-Tuning, N+1 Queries 
- Sicherheit (z.B. SQL Injection, XSS)

Zusage und Absage

Ich habe mir nie angewöhnt, Antworten für Interviews auswendig zu lernen; ich sage einfach, was ich denke. Daher akzeptiere ich jedes Ergebnis gelassen. Nach einem intensiven Monat mit vielen Gesprächen erhielt ich schließlich zwei Zusagen.
Sobald das Angebot vorliegt, gibt es ein kurzes Gespräch zur Bestätigung der Details und zum gegenseitigen Dank.

Die Frist für eine Entscheidung liegt meist bei ein bis zwei Wochen. Für mich waren beide Angebote sehr attraktiv: beide boten flexible Arbeitszeiten, Full Remote und die Möglichkeit, von Vietnam aus zu arbeiten. Ich musste lange grübeln. Nachdem die Entscheidung gefallen war, schickte ich die Annahme an die eine Firma und ein Dankesschreiben mit der Absage an die andere. Danach informierte ich die Recruiter, die mich während des Prozesses begleitet hatten.

Meine Stimmung war gemischt: Einerseits freute ich mich, dass ich bewiesen habe, nun ein "Senior" zu sein, und auf die neue Aufgabe. Andererseits war ich traurig, einen Ort zu verlassen, an dem ich so lange war, und in einem neuen Umfeld ohne vietnamesische Kollegen anzufangen. Ich bin mir bewusst, dass der neue Job deutlich herausfordernder und anstrengender sein wird als mein jetziger.

Verwandte Schlüsselwörter

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Le Minh Thien Toan

Autor:Yuto

Hallo zusammen. Ich bin ein IT-Ingenieur, der in Japan arbeitet. Ich habe diesen Blog erstellt, um Erfahrungen über das Leben und meine Lern- und Arbeitsreise zu teilen.
Ich hoffe, dieser Artikel wird für Sie hilfreich sein.

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